Büsum - Bereits zum dritten Mal trafen sich die Technischen Einsatzleitungen (TEL) aus dem Bereich der Kooperativen Regionalleitstelle West (KRLS West) zu einer gemeinsamen Führungs- und Kommunikationsübung. Austragungsort der diesjährigen Übung war das Gemeindegebiet Büsum, das den Teilnehmerinnen und Teilnehmern als Kulisse für eine anspruchsvolle Großschadenslage diente.
Ziel der Übung war es, die Zusammenarbeit mehrerer Technischer Einsatzleitungen bei einer komplexen Einsatzlage mit verschiedenen zeitgleich eintretenden Schadensereignissen zu trainieren. Im Mittelpunkt standen dabei die strukturierte Führungsarbeit, die Lageführung nach FwDV 100, die Kommunikation zwischen Einsatzleitung und Einsatzabschnitten sowie die Koordination und Anforderung von Einsatzkräften.
Die Übungsleitstelle wurde von der Technischen Einsatzleitung Dithmarschen betrieben, während die Gesamteinsatzleitung durch die TEL Pinneberg übernommen wurde.
Drei Einsatzabschnitte – eine gemeinsame Lage
Das Übungsszenario ging von einem schweren Unwetter aus, das im Gemeindegebiet Büsum zu mehreren zeitgleichen Schadenslagen führte. Die Gesamtlage wurde in drei Einsatzabschnitte gegliedert.
Einsatzabschnitt 1 – Deichbruch im Erlengrund
Der erste Einsatzabschnitt wurde durch die IuK Dithmarschen sowie die TEL Segeberg bearbeitet. Angenommen wurde ein Deichbruch im Bereich Erlengrund, der zu einer großflächigen Überschwemmung angrenzender Wohngebiete führte.
Besondere Aufmerksamkeit galt der im Gefahrenbereich gelegenen AWO-Nordseeklinik, einer Mutter-Kind-Klinik. Zu Beginn der Lage lagen keine gesicherten Erkenntnisse über das Ausmaß der Gefährdung oder die Anzahl der betroffenen Personen vor. Aufgabe der Einsatzkräfte war es daher, die Schadenslage zu erkunden, die Überflutungsgefahr zu bewerten, mögliche Evakuierungsmaßnahmen vorzubereiten sowie den Schutz der kritischen Infrastruktur sicherzustellen und ein umfassendes Lagebild aufzubauen.
Einsatzabschnitt 2 – Schiffsunfall im Hafen
Im Hafenbereich übernahmen die TEL Steinburg, die TEL Dithmarschen sowie die Drohnenstaffel der Freiwilligen Feuerwehr Wesselburen die Bearbeitung der Lage.
Durch das Unwetter wurde das Fahrgastschiff „Funny Girl“ von seinem Liegeplatz losgerissen und prallte gegen eine Hafenmauer. Dabei erlitt das Schiff erhebliche Schäden, wodurch größere Mengen Schiffsdiesel austraten und das Hafenbecken verunreinigten. Gleichzeitig befanden sich nach ersten Meldungen mehr als 100 Personen an Bord. Erschwerend kam hinzu, dass das Sperrwerkstor zur Nordsee bereits geschlossen war.
Neben der Menschenrettung standen daher die Erkundung der tatsächlichen Personenzahl, umfangreiche Umweltschutzmaßnahmen, die Eindämmung der Gewässerverunreinigung sowie die Koordination verschiedener Fachbehörden im Mittelpunkt der Einsatzbearbeitung.
Einsatzabschnitt 3 – Hotelbrand im „Lighthouse“
Der dritte Einsatzabschnitt wurde durch die TEL Pinneberg und die TEL Dithmarschen betreut.
Angenommen wurde ein Blitzeinschlag, der einen Brand im Dachbereich des Hotels „Lighthouse“ auslöste. Aufgrund der starken Windverhältnisse breitete sich das Feuer rasch aus. Zum Zeitpunkt des Brandausbruchs waren 115 Gäste und Mitarbeitende im Hotel registriert. Ob sich alle Personen bereits in Sicherheit befanden, war zunächst unklar.
Die Brandbekämpfung wurde mit dem Kräfteansatz einer FEU-G-Lage eingeleitet. Parallel unterstützten die Technischen Einsatzleitungen die örtliche Einsatzleitung bei der Erfassung der Personenzahlen, dem Evakuierungsmanagement, der Einrichtung von Bereitstellungsräumen sowie der fortlaufenden Dokumentation der Lageentwicklung.
Dynamische Lage fordert Führungsstrukturen
Nach einer gemeinsamen Einweisung wurden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer den jeweiligen Einsatzabschnitten zugeteilt. Im weiteren Verlauf speiste die Übungsleitung kontinuierlich neue Schadensmeldungen, Lageänderungen und zusätzliche Anforderungen ein. Dadurch entwickelte sich die Einsatzlage fortlaufend weiter und erforderte wiederholt eine Anpassung der Prioritäten und Einsatzschwerpunkte.
Die Einsatzabschnitte führten Lagekarten, disponierten Einsatzmittel, forderten weitere Kräfte an, dokumentierten ihre Maßnahmen und begründeten ihre Entscheidungen gegenüber der Gesamteinsatzleitung. Die Kommunikation erfolgte dabei über die zuvor festgelegten Meldewege und orientierte sich an den Führungsgrundsätzen der Feuerwehr-Dienstvorschrift 100.
Erfolgreiches Training der Zusammenarbeit
Im Fokus der Übung standen der Aufbau und Betrieb einer Technischen Einsatzleitung, die strukturierte Führungsarbeit, die Fortschreibung eines gemeinsamen Lagebildes, die Bearbeitung mehrerer paralleler Einsatzlagen sowie die Zusammenarbeit verschiedener TEL-Strukturen über Kreisgrenzen hinweg.
Insgesamt nahmen 45 Kameradinnen und Kameraden an der Übung teil. Die Veranstaltung bot allen Beteiligten die Möglichkeit, Führungsabläufe unter realitätsnahen Bedingungen zu trainieren, Erfahrungen auszutauschen und die Zusammenarbeit zwischen den Technischen Einsatzleitungen im Bereich der KRLS West weiter zu stärken.



